Der Albtraum der BVG

1UP – Maskierte Helden

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1UP  EXHIBITION – IAM 1UP

Obwohl der Name anderes vermuten lässt, wer das Phänomen um 1UP verstehen will muss zunächst tief hinab steigen. In diesem Falle zunächst erstmal eine Treppe an der Warschauer Straße. Dort nämlich in der Urban Spree Galerie stellt 1UP sein Oevre und auch ein zeitgleich herausgegebenes Buch vor. Im Vorhof der Galerie steigen vor den Augen der Besucher zwei schwarze Gestalten eine Wand hinauf.

Selbst unaufmerksamen Bewohnern Berlins mag dies nicht nötig erscheinen, immerhin zieren bereits diverse großflächige Wandbilder den öffentlichen Raum. Bilder wie sie an der Außenwand der Fassade zu sehen sind schießen einem durch den Kopf. Bemalte U-Bahnen, riesengroße Graffiti und tropfende Feuerlöscher-Tags mit gigantischen Außmaßen. Und doch zeigt sich der Innenraum der Ausstellung überraschend aufgeräumt.

Im Gespräch mit einem HipHop Enthusiasten mittleren Alters erfahre ich, daß für Ihn 1UP „so etwas wie Helden“ sind. Er, der aus Hamburg vor Jahren hierher nach Berlin zog, sah in den Aktionen von Anfang an etwas besonderes. Und hier unterscheidet sich die Aktionskünstler-Truppe auch im wesentlichen von vielen anderen Graffitikünstlern. Sie haben Youtube Fans und werden von vielen gefeiert – oder eben auch gehasst. Diese Publikumsbegeisterung kann ziemlich wahrscheinlich der präzisen Dokumentation zugute geschrieben werden, die die 1UP Crew bereits in vielen Videos und Fotos im Netz, vor allem aber auf der One United Power DVD betreibt. Mehrere Millionen Klicks beweisen den Hype, der um die wilden Aktionen herrscht, in denen beispielsweise ein kompletter U-Bahnwaggon in nur 3 Minuten im laufenden Betrieb bemalt wird. Auch diese Videos sind Teil der Ausstellung, die man durchläuft wie eine Level von Supermarioland.

Auch ein Besucher weit aus höheren Alters hat sich eingefunden – in kompletter BVG Montur mit Krawatte und Schnauzbart hält er seine Kamera im Anschlag. Ob er sich wohl auch eins der Poster Zuhause aufhängen wird, die es beim Merchandise stand zu kaufen gibt? Das Buch ist für 25 Euro zu haben, die Poster sind umsonst. Sticker sind leider schon alle, verrät mir der Betreiber der Galerie. In den ersten zwei Stunden nach der Eröffnung habe er bereits etwa hundert Bücher verkauft. I AM 1UP bleibt dem Besucher nur die essentielle Frage schuldig – Wer ist eigentlich dieser 1UP?

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one united power

 

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Wahlkrampf 2013 – Wo gehts lang?

wahlkrampfEin Laternenmast voller Plakate in Berlin Neukölln. Es ist mal wieder Bundestagswahl. Wie ein Wanderer vor dem Wegweiser steht man nun vor diesem Kunstwerk von Ideenlosigkeit. Streetart mal ganz anders. Auffallend ist, dass lediglich die Splitterparteien klare Ansagen machen. Die Linke skandiert in Bild-Manier „Miete und Energie: Bezahlbar für alle.“ Die Piraten thematisieren das Problem der geringen Wahlbeteiligung mit der hoffnungslosen Frage „Warum häng ich hier eigentlich? Ihre geht ja eh nicht wählen“. Schon etwas skurril, aber immerhin provokant. Nur was Sie dem Wähler damit versprechen wollen bleibt etwas unklar. Die MLPD fordert „Freiheit für Kurdistan und Palästina“ und die FDP traut sich anscheinend gar nicht erst zu plakatieren im Körnerkiez.

Die Grünen haben ihr plakatives Highlight mal wieder in Kreuzberg-Friedrichshain mit dem Seyfried-Plakat auf dem Ströbele um eine Hanpfpflanze tanzt. Die CDU und die SPD haben als Motto „Das Wir entscheidet“ und „Gemeinsam erfolgreich“ zu bieten. Aber zu wem  gehört eigentlich welche Parole? Auch was die Plakatgestaltung angeht treten die beiden großen lediglich mit Köpfen an. Aber irgendwie bekommen es die zwei Parteien nicht hin, uns ihre Ziele erfolgreich zu vermitteln. Erst kürzlich stellte dies eine Sendung im ARD mit dem Titel „Der Kandidaten Check“ fest.

Auch das beliebte Adbusting, das sonst unseren grauen Wahl-Alltag etwas aufheitere scheint durch die Ideenlosigkeit der Slogans auf ein Minimum beschränkt zu sein. In den letzten Jahren hatten einige Straßenkunst Aktivisten, die Partei und auch die Bergpartei wenigstens ab und zu ein Lächeln auf die traurigen Wählergesichter zaubern können. Dieses Jahr scheinen selbst die Kampfansagen der rechten Parteien austauschbar und unmotiviert. Ich erinnere mich an das Sprüche Receycling und einige bunte Popos bei der NPD. Farbige Hinterteile in Gelb, Rot, Grün und schwarz – steht die NPD jetzt für Multikulti? Vielleicht sollten sich die Parteien mal dem Zeigeist anpassen und wie Obama Straßenkünstler und Graffitimaler für Ihre Kampagnen anstellen – dann klappts vielleicht auch mit mit der Street Credibility. Obey! – äh, Obama!, Change! und so. Währenddessen muss man zum deutschen Bundestags-Wahlkrampf sagen: No – we can’t.

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Keine Angst vorm Hermannplatz!

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Der Bahnsteig am Hermannplatz zeichnet ein realistisches Abbild Berlins. Auf der (noch) längsten U-Bahnlinie Berlins (U7) oder auch in der U8 trifft man alle – Hipsters, Junkies, Schichtarbeiter, Bonzen, illegale Einwanderer, Obdachlose, Feuerzeugverkäufer, Altberliner, Neuberliner und natürlich Party-Volk aus aller Welt. Für viele  sind Orte wie der U-Bahnhof Kottbusser Tor und der Hermannplatz  zu gängigen Treffpunkten geworden. Das Nachtleben wie auch der Tourismus hat sich inzwischen auch in diese Richtung weiterentwickelt. Von der Kreuzberger Uferseite des Landwehrkanals her haben sich schon seit längerem die hippen neuen Clubs und Bars in den nahegelegenen Kiezen ausgebreitet. Geist im Glas, Raumfahrer, Villa Neukölln, Cube und wie sie alle heißen.

Und trotzdem bleibt der Hermannplatz ein verruchter Ort. Die Nähe zur Hasenheide – Drogenumschlagplatz Nummer eins in Berlin – prägt. Eigentlich nur ein hässlicher Platz vor der  Fassade eines Konsumtempels mit Monumental-Architektur. Aber eben auch der Knotenpunkt von Nord/Süd und Ost und West. Hier treffen sich Papst Urban und Karl Marx. (Der Name der Urbanstrasse entspringt übrigens angeblich dem Namen „Urlake“). Auch die berühmte Sonnenallee hat hier ihren Beginn (oder ihr Ende). Grafro Hotel, ÜF, 1UP und Karstadt sind die dominierenden Schriftzüge auf den umliegenden Dächern. Streetart, Graffiti, Multikulti und Konsum kämpfen harmonisch gegeneinander wie die BVG gegen Unlike U. Wer wird gewinnen? Kunst und Kultur oder doch eher der Konsum und Gentrification?

Der Stoffbeutel mit dem Schriftzug „Du hast Angst vor’m Hermannplatz“ des Modelabels Muschi Kreuzberg ist jedenfalls inzwischen ausverkauft. Am Ende steht wahrscheinlich einfach nur die Berliner Melange. Also denn, ssie juh suhn, Atzen und Atzinnen! Machts jut Nachbarn. Hade Tschüss. Hauta rinn und bis bald am Hermannplatz.