Keine Angst vorm Hermannplatz!

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Der Bahnsteig am Hermannplatz zeichnet ein realistisches Abbild Berlins. Auf der (noch) längsten U-Bahnlinie Berlins (U7) oder auch in der U8 trifft man alle – Hipsters, Junkies, Schichtarbeiter, Bonzen, illegale Einwanderer, Obdachlose, Feuerzeugverkäufer, Altberliner, Neuberliner und natürlich Party-Volk aus aller Welt. Für viele  sind Orte wie der U-Bahnhof Kottbusser Tor und der Hermannplatz  zu gängigen Treffpunkten geworden. Das Nachtleben wie auch der Tourismus hat sich inzwischen auch in diese Richtung weiterentwickelt. Von der Kreuzberger Uferseite des Landwehrkanals her haben sich schon seit längerem die hippen neuen Clubs und Bars in den nahegelegenen Kiezen ausgebreitet. Geist im Glas, Raumfahrer, Villa Neukölln, Cube und wie sie alle heißen.

Und trotzdem bleibt der Hermannplatz ein verruchter Ort. Die Nähe zur Hasenheide – Drogenumschlagplatz Nummer eins in Berlin – prägt. Eigentlich nur ein hässlicher Platz vor der  Fassade eines Konsumtempels mit Monumental-Architektur. Aber eben auch der Knotenpunkt von Nord/Süd und Ost und West. Hier treffen sich Papst Urban und Karl Marx. (Der Name der Urbanstrasse entspringt übrigens angeblich dem Namen „Urlake“). Auch die berühmte Sonnenallee hat hier ihren Beginn (oder ihr Ende). Grafro Hotel, ÜF, 1UP und Karstadt sind die dominierenden Schriftzüge auf den umliegenden Dächern. Streetart, Graffiti, Multikulti und Konsum kämpfen harmonisch gegeneinander wie die BVG gegen Unlike U. Wer wird gewinnen? Kunst und Kultur oder doch eher der Konsum und Gentrification?

Der Stoffbeutel mit dem Schriftzug „Du hast Angst vor’m Hermannplatz“ des Modelabels Muschi Kreuzberg ist jedenfalls inzwischen ausverkauft. Am Ende steht wahrscheinlich einfach nur die Berliner Melange. Also denn, ssie juh suhn, Atzen und Atzinnen! Machts jut Nachbarn. Hade Tschüss. Hauta rinn und bis bald am Hermannplatz.

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Komische Musik

Es ist schon einige Jahre her seitdem David Deery sein Debüt in der PingPong Bar feierte. Der Schnurrbart stand ihm noch frisch gewachsen im Gesicht. Jetzt hatte ich das Vergnügen eine, von ihm präsentierte, musikalische Comedy Show zu sehen.

„Wieviele hier sind aus Berlin?“, fragt David Deery, zögerlich heben drei Leute ihre Hand im Zuschauerraum der Villa Neukölln. Ja es sind viele im Raum, die englisch sprechen. Viele, die nicht aus Berlin sind, aber inzwischen hier leben. Deery selbst kommt aus Amerika. Bevor er ins Comedy-Business überwechselte war er DJ. In seinem Bühnenoutfit mit Fliege, Jacket, einem mutigen Schnurrbart und einer dickgerahmten Hornbrille hebt er sich inzwischen nicht einmal besonders vom durchschnittlichen Berliner Hipster ab. Einer der Gäste in der ersten Reihe hat sogar eine größere Fliege, als David Deery. Manchmal merkt man ihm noch seinen Bezug zum HipHop-Genre an, z.B. wenn er Wu-Tang zitiert: „cash rules everything around me-C.r.e.a.m.“, schließt er die Anmoderation seiner musikalischen Comedy-Gäste.

Die weiteren Künstler sind eine bunte Melange: Von Drag-Queen bis Schuh-Designer ist so ziemlich alles vertreten. Naomi Fearn, David Bonney, Jack Woodhead, Caroline Cliffiord und CRYSPACE. Und eins haben sie alle gemein – sie nehmen kein Blatt vor den Mund und hauen in die Tasten (und Saiten), dass es nur so scheppert. Jeder der Künstler eine super Nummer und verdammt talentiert. Kein Comdedy-Programm in Berlin, dass in dieser Qualität und zu diesem Preis (5 Euro!) zu haben ist. Und das auch noch in entspannter Atmosphäre in einem kleinen Laden in der Hermannstrasse. Beim nächsten mal kann ich nur hoffen, dass der Laden ausverkauft ist, wie auch Deery’s Solo-Shows.